Warum das E-Gericht und nicht ein traditionelles Gericht?
Das polnische Elektronische Mahnverfahren (EPU — elektroniczne postępowanie upominawcze), umgangssprachlich E-Gericht genannt, ist der schnellste Weg zu einem Mahnbescheid, wenn Ihre Forderung unstreitig ist (sie ergibt sich aus einer Rechnung, einem Vertrag etc., und der Schuldner hat sie zuvor nicht bestritten).
Hauptvorteile des EPU:
- Geschwindigkeit: Der Mahnbescheid wird oft innerhalb weniger Wochen erlassen.
- Kosten: Die Gerichtsgebühr beträgt nur ein Viertel der Standardgebühr (1,25 % des Streitwerts).
- Komfort: Alles wird online eingereicht — ohne das Büro zu verlassen.
1. Anfangsvoraussetzungen: Was Sie vorbereiten müssen
Bevor Sie sich im EPU-System anmelden, halten Sie bereit:
- Parteidaten: Vollständige Angaben (Name, Adresse, USt-IdNr. [NIP], KRS/CEIDG, REGON) des Gläubigers (Ihre Firma) und des Schuldners.
- Forderungsdaten: Hauptbetrag, Fälligkeitsdaten, Rechnungs-/Vertragsnummern sowie die aufgelaufenen:
- gesetzlichen Verzugszinsen für Geschäftstransaktionen;
- Pauschalvergütung für Beitreibungskosten (40, 70 oder 100 EUR).
- EPU-Konto: Sie müssen sich im Informationsportal der polnischen ordentlichen Gerichte (PIS) registrieren und Zugang zum E-Gericht erhalten. Eine Identitätsbestätigung ist erforderlich (z.B. über Trusted Profile, Profil Zaufany).
Hinweis: Das EPU-Konto kann Ihr Bevollmächtigter führen — dann müssen Sie es nicht selbst einrichten.
2. Schritt für Schritt: Online-Klageformular ausfüllen
Nach der Anmeldung im EPU-System gehen Sie zum Abschnitt für die Erstellung einer neuen Klage. Das System führt Sie durch aufeinanderfolgende Registerkarten:
➡️ Schritt 1: Verfahrensart wählen und Forderung definieren
- Fallart wählen: Mahnverfahren (EPU).
- Streitwert (WPS) angeben: Geben Sie den Gesamtbetrag ein, den Sie geltend machen (Kapital + Zinsen + Pauschalvergütung).
- Anspruchsart wählen: Am häufigsten „Anspruch aus Kauf-/Dienstleistungsvertrag".
➡️ Schritt 2: Parteidaten und Adressen
- Gläubiger-/Kläger-Daten eingeben: Das System kann aus Ihrem Konto automatisch ausfüllen.
- Schuldner-/Beklagten-Daten eingeben: Eine aktuelle Adresse ist entscheidend — der Mahnbescheid wird dorthin verschickt.
➡️ Schritt 3: Detaillierte Forderung und Sachverhalt
Dies ist der wichtigste Abschnitt, in dem Sie das Bestehen der Schuld nachweisen müssen.
- Hauptforderung: Geben Sie den Forderungsbetrag ein und legen Sie fest, ab welchem Datum Sie Zinsen verlangen.
- Pauschalvergütung: Markieren Sie deutlich, dass Sie die Pauschale von 40 / 70 / 100 EUR verlangen (umgerechnet in PLN zum Kurs der polnischen Nationalbank am Fälligkeitstag).
- Begründung (Textfeld): Beschreiben Sie kurz die Grundlage der Forderung.
Beispiel: „Der Beklagte hat die MwSt.-Rechnung Nr. [Nummer] vom [Datum] für [Leistung / Waren] nicht bezahlt. Der Zahlungstermin ist am [Fälligkeitsdatum] abgelaufen. Trotz Zustellung einer Mahnung wurde die Forderung nicht beglichen."
➡️ Schritt 4: Anlagen und Beweise
Im EPU fügen Sie keine Scans der Rechnungen bei! Es genügt, die vorhandenen Beweise anzugeben, z.B.:
- MwSt.-Rechnung Nr. 123;
- Dienstleistungsvertrag vom...;
- Mahnung (mit Rücksendebestätigung).
3. Klagegebühr und Abschluss des Verfahrens
Nach dem Ausfüllen aller Abschnitte berechnet das System automatisch die Gerichtsgebühr (1,25 % des WPS) und ermöglicht die Online-Zahlung, in der Regel per Schnellzahlung.
- Monitoring: Prüfen Sie regelmäßig Ihr EPU-Konto. Sie erhalten Benachrichtigungen über die Registrierung der Klage und anschließend über den Erlass des Mahnbescheids.
4. Was geschieht danach? Zwei Szenarien
Nach Erlass des Mahnbescheids stellt das Gericht ihn dem Schuldner zu. Es gibt nur zwei Optionen:
A. Der Schuldner reagiert nicht
- Der Bescheid wird rechtskräftig, und Sie beantragen die Erteilung der Vollstreckungsklausel.
- Mit dem Bescheid und der Klausel können Sie direkt zum Gerichtsvollzieher gehen und die Zwangsvollstreckung einleiten.
B. Der Schuldner legt Widerspruch ein
- Legt der Schuldner innerhalb von 14 Tagen Widerspruch ein, verliert der Mahnbescheid seine Wirkung, und der Fall wird automatisch an das traditionelle Gericht (das Gericht der allgemeinen Zuständigkeit) weitergeleitet.
- Sie müssen die Klage dann erneut einreichen (auf Papier), alle Beweise (Rechnungen, Verträge) beifügen und auf einen Verhandlungstermin warten.
EPU ist ein mächtiges Werkzeug, das den Weg zu Ihrem Geld von Monaten (zunehmend sogar Jahren) auf Wochen verkürzen kann. Nutzen Sie es, wenn Ihre Forderung unstreitig ist!
Wussten Sie, dass Sie Ihre Forderungen zusätzlich absichern können, indem Sie den Schuldner in BIG eintragen? Mehr dazu in unserem Artikel 7 häufigste Inkasso-Fehler.
